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Die Geheimnisse der Markus-Passion: Peranda’s bedeutendstes Sakralwerk enthüllt

Markus-Passion - Marco Gioseppe Peranda

Die Markus-Passion, lange Zeit Heinrich Schütz zugeschrieben, birgt eine faszinierende Geschichte der Verwechslung. Tatsächlich stammt dieses bedeutende Werk aus dem Jahr 1668 von Marco Giuseppe Peranda, einem der wichtigsten italienischen Meister im Deutschland der Barockzeit.

Als Kapellmeister am sächsischen Hof schuf Peranda diese außergewöhnliche Passionsmusik, die sich neben den Werken von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann zu einem wichtigen Bestandteil des klassischen Kanons entwickelte. Jedoch ist es besonders bemerkenswert, dass weniger als ein Drittel von Perandas Kompositionen die Zeit überdauert haben. In diesem Artikel werden wir die musikalische Bedeutung und den historischen Kontext dieses sakralen Meisterwerks etwas näher beleuchten.

Die musikalische Struktur der Markus-Passion von Peranda

Als musikalisches Kleinod des Frühbarocks präsentiert sich die 1668 entstandene Markus-Passion von Marco Giuseppe Peranda in einer bemerkenswert klaren musikalischen Struktur. Dieses bedeutende Sakralwerk folgt der Tradition der Rezitativ-Passion, jener Form, die sich nach Heinrich Schütz von den strengen Zwängen der gregorianischen Passionstone befreit hatte.

Die Besetzung der Peranda-Passion ist bewusst schlicht gehalten. Sie ist für gemischten Chor (SATB – Sopran, Alt, Tenor, Bass) konzipiert und wird durch verschiedene Solostimmen bereichert, genauer gesagt für die Stimmlagen STT(Bar)BB. Besonders bemerkenswert ist, dass das Werk durchgehend a cappella komponiert wurde – also ohne instrumentale Begleitung. Diese Reinheit des vokalen Ausdrucks verleiht dem Werk eine besondere Intensität und unterstreicht den kontemplativen Charakter der Passionsgeschichte.

Anders als spätere Passionswerke, etwa die bekannten Bach-Passionen, konzentriert sich Perandas Komposition auf die reine Textdeklamation des Evangeliums. Während Bachs Werke den Bibeltext mit betrachtenden Arien und Chorälen anreichern, bleibt Peranda der schlichten Erzählform treu. Dennoch lässt sich seine Markus-Passion durchaus mit anderen Werken kombinieren, wie moderne Aufführungspraxis zeigt. So wurde sie beispielsweise 1996 von Jos van Veldhoven mit Fragmenten der Bach’schen Markus-Passion verbunden.

In neueren Aufnahmen wird Perandas Passion zudem oft mit betrachtender Figuralmusik anderer Komponisten wie Christoph Bernhard, Anton Colander, Johann Hermann Schein, Heinrich Schütz und Samuel Seidel ergänzt. Dadurch erhält das Werk eine Dramaturgie des Erzählten und Erlebten – praktisch ein Vorgriff auf die später übliche Ergänzung des Passionsberichts durch Arien und Choräle.

Die stilistische Verankerung im 17. Jahrhundert macht Perandas Musik zu einem interessanten Kontrastpunkt zu späteren Passionsvertonungen. In gemischten Aufführungen wird dadurch hörbar, wie sich der musikalische Stil über die Epochen entwickelte – Perandas Musik verkörpert dabei die „ältere“ Klangsprache.

Der Thomanerchor Leipzig unter Ernst Friedrich Eduard Richter (1808-1879) gehörte zu den frühen Interpreten dieses Werkes, was seine Bedeutung für die lutherische Musiktradition unterstreicht und eine direkte Verbindungslinie zu späteren Passionsvertonungen zieht.

Peranda’s italienischer Einfluss auf die deutsche Passionsmusik

Im musikhistorischen Kontext des 17. Jahrhunderts verkörpert Marco Giuseppe Peranda den bedeutsamen kulturellen Brückenschlag zwischen italienischer und deutscher Sakralmusik. Obwohl aus Macerata stammend, verrät sein musikalischer Stil eine Ausbildung in Rom. Diese römische Prägung brachte er zwischen 1651 und 1656 nach Dresden, als ihn der Vizekapellmeister Christoph Bernhard aus Italien an den sächsischen Hof holte.

Tatsächlich gilt Peranda neben Vincenzo Albrici als einer der maßgeblichen italienischen Meister in Deutschland während der Barockzeit. Seine Markus-Passion spiegelt jenen einzigartigen Fusionsstil wider, der die deutsche Passionsmusik nachhaltig beeinflussen sollte. Die delikat-expressiven Melodieführungen, die überwiegend hellen und transparent klingenden Texturen sowie die gemäßigten, sehnsuchtsvollen Harmonien erinnern deutlich an die Vorbilder der Dresdner Kapellmeister – insbesondere an Peranda selbst.

Beide Meister der römischen Schule, die sich um Giacomo Carissimi entwickelt hatte, prägten den Ton an den Höfen Mittel- und Norddeutschlands in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Diese italienischen Einflüsse wurden von deutschen Komponisten wie Buxtehude aufgegriffen und in deren eigenen Passionszyklen individuell weiterentwickelt – nicht zuletzt mit Blick auf ein höfisches Publikum, das solche Experimente besser zu schätzen wusste als das Bürgertum.

Darüber hinaus förderte die Erfindung des Notendrucks mit beweglichen Lettern durch Ottaviano Petrucci in Venedig im Jahr 1501 die Verbreitung italienischer Musik in ganz Europa. Allerdings blieb der teure Druck bis etwa 1650 hauptsächlich Prunk- und Widmungsausgaben vorbehalten.

Die lange vernachlässigte deutsche Vokalmusik zwischen Schütz und Bach erweist sich hierbei als nahezu unerschöpfliche Fundgrube kunstvoll gearbeiteter, ausdrucksstarker Kompositionen, die bis heute nichts von ihrer ursprünglichen Faszination verloren haben. Durch die einzigartige Verschmelzung von alten und neuen Elementen entwickelte sich eine eigentümliche, streng schöne musikalische Ausdrucksweise, die uns noch immer zu berühren vermag.

Die historische Bedeutung der Markus-Passion im 17. Jahrhundert

Die liturgische Tradition der Passionsaufführungen erlebte im 17. Jahrhundert eine bedeutsame Wandlung. Während Passionen ursprünglich im 5. Jahrhundert als einfache liturgische Rezitationen begannen, entwickelten sie sich bis zum 13. Jahrhundert zu Aufführungen, bei denen drei Geistliche den Vortrag teilten: eine tiefe Stimme für Christus, eine mittlere für den Evangelisten und eine hohe für die übrigen Personen.

Marco Giuseppe Perandas Markus-Passion von 1668 markiert einen wichtigen Meilenstein in dieser Evolution. Sie wurde am 30. März 1668 in der Dresdner Schloßkirche uraufgeführt und basiert auf dem Libretto von Martin Luther. In der Besetzung zeigt sich ihre Bedeutung: Sie ist für sechs Solostimmen (SATTTBB) sowie gemischten Chor (SATB) komponiert, was die damalige Praxis der musikalischen Umsetzung biblischer Texte widerspiegelt. Bemerkenswert ist, wie die Markus-Passion zwischen verschiedenen Traditionen steht. Einerseits folgt sie noch der älteren responsorialen Form, die ausschließlich den Bibeltext vertont. Andererseits nimmt sie bereits Elemente vorweg, die später in den „konzertanten“ Passionen weiterentwickelt wurden.

Kulturhistorisch betrachtet fällt die Entstehung des Werkes in eine Zeit, in der die Dresdner Hofkapelle durch Heinrich Schütz internationale Geltung erlangt hatte und die schweren Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs überstanden waren. Dennoch nahm die durchkomponierte Passion in der Gegenreformation nur eine kurze Blütezeit ein.

Im Kontext der Passionsgeschichte bildet Perandas Werk eine wichtige Brücke. Nach Schütz‘ Passionen, die als „Höhepunkt der Rezitativ-Passion“ gelten, wurden kaum noch vergleichbare Werke geschaffen. Vielmehr entwickelte sich die oratorische Passion mit ihren freien Einschüben, die den Bibeltext unterbrechen – eine Form, die später bei Bach ihre höchste Ausformung finden sollte.

Darüber hinaus spiegelt die Markus-Passion die Entwicklung der Dresdner Hofmusik wider, die zunächst als evangelische Hofkantorei mit italienischen Instrumentisten gegründet wurde. Unter Peranda, der als Kapellmeister wirkte, erlebte die Hofkapelle eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die auch durch die beginnende Etablierung der italienischen Oper ab 1662 geprägt war.

Fazit

Zweifellos stellt Perandas Markus-Passion einen bedeutsamen Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Sakralmusik dar. Diese außergewöhnliche Komposition verbindet meisterhaft italienische Musiktradition mit deutscher Passionsmusik und schafft dabei eine einzigartige Klangsprache, die noch heute beeindruckt.

Besonders bemerkenswert erscheint die schlichte, dennoch ausdrucksstarke musikalische Struktur des Werkes. Die rein vokale Gestaltung ohne instrumentale Begleitung unterstreicht den kontemplativen Charakter der Passionsgeschichte. Gleichzeitig zeigt sich darin Perandas Gespür für die Balance zwischen Tradition und Innovation.

Die historische Bedeutung der Markus-Passion reicht weit über ihre Entstehungszeit hinaus. Als Bindeglied zwischen den frühen Rezitativ-Passionen und späteren oratorischen Werken prägte sie maßgeblich die Entwicklung der Passionsmusik. Diese Verschmelzung verschiedener Stilrichtungen macht das Werk auch für heutige Zuhörer faszinierend und zeitlos.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Perandas Markus-Passion nicht nur ein musikhistorisches Dokument darstellt, sondern auch ein lebendiges Zeugnis künstlerischer Meisterschaft bleibt. Die Wiederentdeckung dieses lange Zeit Heinrich Schütz zugeschriebenen Werkes ermöglicht uns einen tieferen Einblick in die reichhaltige Tradition der deutschen Passionsmusik des 17. Jahrhunderts.

Video zum Mitlesen der Noten (Partitur)

Markus-Passion von Marco Giuseppe Peranda auf Youtube anschauen…

→ Partitur (Noten) zum Herunterladen: Markus-Passion – Marco Giuseppe Peranda (Quelle: Internet Archive)

FAQs

1. Wer komponierte die Markus-Passion, die lange Zeit Heinrich Schütz zugeschrieben wurde?
Die Markus-Passion wurde tatsächlich von Marco Giuseppe Peranda im Jahr 1668 komponiert, nicht von Heinrich Schütz, wie lange Zeit angenommen wurde.

2. Welche Besonderheiten weist die musikalische Struktur von Perandas Markus-Passion auf?
Perandas Markus-Passion ist für gemischten Chor (SATB) und Solostimmen komponiert. Bemerkenswert ist, dass das Werk durchgehend a cappella, also ohne instrumentale Begleitung, gestaltet ist.

3. Wie beeinflusste Perandas italienischer Hintergrund die deutsche Passionsmusik?
Peranda brachte seinen italienischen Stil nach Deutschland und verschmolz ihn mit deutschen Elementen. Diese Fusion prägte nachhaltig die Entwicklung der deutschen Passionsmusik im Barock.

4. Welche historische Bedeutung hat die Markus-Passion von Peranda im 17. Jahrhundert?
Perandas Markus-Passion markiert einen wichtigen Übergang zwischen den älteren Rezitativ-Passionen und den späteren oratorischen Passionen. Sie wurde 1668 in der Dresdner Schlosskirche uraufgeführt und spiegelt die Entwicklung der Passionsmusik in dieser Zeit wider.

5. Wie unterscheidet sich Perandas Markus-Passion von späteren Passionswerken wie denen von Bach?
Im Gegensatz zu späteren Passionen, wie denen von Bach, konzentriert sich Perandas Werk auf die reine Textdeklamation des Evangeliums ohne zusätzliche Arien oder Choräle. Es bleibt der schlichten Erzählform treu und verzichtet auf instrumentale Begleitung.

Referenzen und weiterführende Links:

hebu-music.com/…/marco-gioseppe-peranda/…/markus-passion
www.breitkopf.com
volkersklassikseitenjsbach.com PDF-rekonstruktionen-der-_markus-passion_-j-s-bach
performance.slub-dresden.de/markus-passion-dank-sei-unserm-herrn-jesu-christo-peranda-marco-giuseppe
de.wikipedia.org/Marco_Giuseppe_Peranda
deutsche-biographie.de
harmoniamundi.com/../booklets-2687.pdf
https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_I/italien.xml

Die „Johannes-Passion“ von Heinrich Schütz (SWV 481): Ein Meisterwerk der Barockmusik

Johannes Passion SWV 481 Heinrich Schütz

Die „Johannes-Passion“ (SWV 481) von Heinrich Schütz, komponiert um 1666, ist ein beeindruckendes Beispiel für die tiefe Spiritualität und musikalische Innovation der Barockzeit. Als eines der letzten Werke des Komponisten verdeutlicht sie seine Reife und sein unvergleichliches Gespür für die Verbindung von Musik und Text.

Musikalische Details

  • Einzigartiger Stil: Die Passion ist rein vokal und verzichtet vollständig auf instrumentale Begleitung. Diese puristische Herangehensweise verleiht dem Werk eine zeitlose Kraft und hebt die Bedeutung des gesungenen Wortes noch mehr hervor.
  • Rollenverteilung: Der Evangelist, der die Erzählung vorträgt, wird von einem Tenor gesungen, während die Worte Jesu – wie meist – von einem Bass dargestellt werden. Der Chor übernimmt die dramatischen Parts der Menge, was den liturgischen Charakter betont.
  • Modale Komposition: Schütz verwendet den phrygischen Modus, der dem Werk einen dunklen, mystischen Charakter verleiht. Diese Tonsprache unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Passionserzählung.
  • Emotionale Intensität: Trotz der Schlichtheit gelingt es Schütz, eine außergewöhnliche emotionale Tiefe zu erzeugen. Dies zeigt sich vor allem in den dramatischen Dialogen und den spannungsgeladenen Choreinwürfen.

Historische und kulturelle Bedeutung

Heinrich Schütz war einer der ersten deutschen Komponisten, der den italienischen Stil – insbesondere die Kunst des „stile antico“ und des „stile moderno“ – nach Deutschland brachte. Die „Johannes-Passion“ reflektiert Schütz’ tiefes Verständnis für die liturgischen Traditionen seiner Zeit, indem sie den Text des Johannesevangeliums in den Mittelpunkt stellt.

Dieses Werk war vor allem für den Gebrauch in der Karfreitagsliturgie gedacht, ein Tag von großer Bedeutung im christlichen Kalender. Es repräsentiert die Andacht und Besinnlichkeit, die das Barockzeitalter prägten, und lädt Hörer dazu ein, sich auf das Wesentliche zu besinnen – den Text und die Botschaft.

Heinrich Schütz: Leben und Vermächtnis

  • Kindheit und Jugend: Heinrich Schütz wurde 1585 in Bad Köstritz geboren und wuchs in einem musikalischen Umfeld auf. Seine außergewöhnliche Begabung wurde früh erkannt, und er erhielt eine fundierte musikalische Ausbildung.
  • Studium in Venedig: Schütz studierte unter Giovanni Gabrieli, einem der führenden Komponisten der venezianischen Mehrchörigkeit. Diese Zeit prägte seinen Stil nachhaltig.
  • Karriere in Deutschland: Nach seiner Rückkehr wirkte Schütz als Hofkapellmeister in Dresden, wo er eine Vielzahl an liturgischen und weltlichen Werken schuf.
  • Werke und Innovationen: Neben seinen drei Passionen, darunter die „Johannes-Passion“, komponierte Schütz zahlreiche Motetten, Madrigale und Psalmenvertonungen. Er gilt als einer der Wegbereiter der deutschen Barockmusik und als Vorbild für spätere Komponisten wie Johann Sebastian Bach.

Warum ist die „Johannes-Passion“ so besonders?

Das Werk zeigt Schütz’ Fähigkeit, mit minimalistischen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen. Es spricht nicht nur Musikliebhaber, sondern auch spirituell Suchende an, die in der Musik Trost und Inspiration finden. Die „Johannes-Passion“ ist ein Zeugnis seines Glaubens und seiner Kunstfertigkeit, und sie bleibt bis heute ein Meisterwerk, das Generationen überdauert.

Johannes Passion von Heinrich Schütz SWV 481 auf YouTube Auf Youtube gibt es ein Video der gesamten Passion mit Noten zum Mitlesen: Johannes Passion von Heinrich Schütz

Die Noten gibt es hier als PDF zum Herunterladen: PDF Noten der Johannes Passion von Heinrich Schütz
(dies ist eine eingescannte Version einer alten Breitkopf & Härtel Ausgabe von 1885)

Neuere Ausgaben gibt es im gut sortierten Musikfachhandel zu kaufen.

Carl Loewe: Kleine Passionsmusik

Jesus am Kreuz

Titel: Die Kleine Passionsmusik
Komponist: Carl Loewe
Entstehung: Um 1847
Besetzung: Singstimmen (Soli, Chor), Orgel oder Klavier
Dauer: Ca. 12 -15 Minuten
Gattung: Geistliche Musik – eine Art Mini-Oratorium oder Passionskantate

Inhalt und Stil

Die Kleine Passionsmusik ist ein geistliches Werk, das sich mit der Passion Christi beschäftigt, also den Ereignissen rund um das Leiden und Sterben Jesu. Im Gegensatz zu den großen Passionen etwa von Bach ist Loewes Werk kürzer und kompakter, was es besonders für den Einsatz in kleineren Kirchen oder im Gottesdienst geeignet macht.

  • Form: Das Werk ist in mehrere Abschnitte unterteilt, darunter Choräle, Erzählungen (Rezitative), Arien und Chorstücke.
  • Textgrundlage: Die Texte stammen aus der Bibel (Evangelien), ergänzt durch freie Dichtungen in der Tradition protestantischer Kirchenmusik.
  • Stilistisch: Das Werk bewegt sich im romantischen Stil, wirkt aber oft schlicht und volksnah – ideal für kleinere kirchliche Ensembles.

Bedeutung

Die Kleine Passionsmusik ist ein schönes Beispiel für Loewes Fähigkeit, religiöse Themen eindrucksvoll, aber auch zugänglich zu vertonen. Sie ist weniger dramatisch als Bachs Passionen, dafür aber in sich geschlossen, meditativ und emotional eindringlich.

Typischer Einsatz

Das Werk eignet sich für:

  • Passionsandachten in der Karwoche oder an Karfreitag
  • Kirchenkonzerte in kleineren Besetzungen
  • Laienchöre oder Gemeindeaufführungen, da es technisch nicht zu anspruchsvoll ist

Johann Carl Gottfried LoeweCarl Loewe (vollständiger Name: Johann Carl Gottfried Loewe) war ein deutscher Komponist, Sänger und Dirigent, geboren am 30. November 1796 in Löbejün und gestorben am 20. April 1869 in Kiel. Er ist vor allem bekannt für seine Balladen und Lieder – oft wird er auch als der „Schubert des Nordens“ bezeichnet. Neben Liedern komponierte er auch Oratorien, Kantaten, Opern und Kirchenmusik.


Video zum Mitlesen der Noten (Partitur)

Die Kleine Passionsmusik auf Youtube anschauen…

Text (Lyrics)  von Carl Loewes Kleiner Passionsmusik

𝄞 Einleitung (Andante sostenuto, instrumental)

1. Choral

Christus, der uns selig macht,
Unrecht nie begangen,
der ward für uns in der Nacht
als ein Dieb gefangen.
Und geführt vor böse Leut’,
fälschlich angeklaget,
ward verhöhnet und verspeit,
wie die Schrift uns saget.

2. Andante (Rezitativ & Chor)

In den ersten Tagesstunden
ward er dem Pilatus vorgestellt,
der ihn unschuldig befand.
Sein Reich war nicht von dieser Welt,
sein  Ruhm  nicht Menschenehre!

3. Andante (Arie, Chor)

Um drei ward der Gottessohn gegeißelt,
sein teures Haupt mit einer Dornenkron’ gerissen,
gekleidet zu Hohn und Spott,
und sein Kreuz mußte er selber tragen.

Seht, welch ein Mensch!
Seht, welch ein Mensch!
Seht, welch ein Mensch!

4. Andante (Rezitativ)

Um sechs ward er am Kreuz erhöht,
die Sonne verlor ihren Schein.

„Vater, vergib es ihnen,
sie wissen nicht, sie wissen nicht,
was sie tun!“

5. Andante

Um die neunte Stunde rief Jesus laut:
„Mich dürstet.“ Man reichte ihm Essig und Galle.
„Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen?“
Und neigte sein Haupt: „Es ist vollbracht!“

6. Chor – Allegro (Turba)

Die Erde bebet, des Tempels Vorhang zerreißt,
die Gräber tun sich auf,
und viele Leiber der Heil’gen stehen auf,
die Felsen sprengen
und Finsternis, und Finsternis
bedecket das ganze Land.

7. Tempo primo d’Andante (Chor)

Als der Tag sein Ende nahm
und der Abend kommen,
ward Jesus vom Kreuzesstamm
durch Joseph genommen,

herrlich nach jüdischer Art
in ein Grab gelegt
und mit Hütern wohl verwahrt,
wie Matthäus zeuget.

8. Choral a Tempo (Chor)

O Lamm Gottes unschuldig,
am Stamm des Kreuzes geschlachtet!
Allzeit erfund’n geduldig
wie wohl du warest verachtet.

All Sünd’ hast du getragen,
sonst müssten wir verzagen.
erbarm dich unser, o Jesu, o Jesu!


Die Noten (komplette Partitur) können Sie hier herunterladen:
PDF Kleine Passionsmusik von Carl Loewe


Was ist Passionsmusik?

Passionsoratorium vs. Evangelien-Passion

Komponisten von Passionsmusik

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